Marathondebüt in Frankfurt wie es besser nicht hätte sein können!

In diesem Jahr war es nun endlich soweit: Mein erster Marathon stand kurz bevor! Aber wie nun am besten darauf vorbereiten? Und was wird am Ende wohl dabei rauskommen?  Das erfahrt ihr nun ausführlich hier …

Die Entscheidung war gefallen: Frankfurt 2015 sollte mein erster Marathon sein. Ein wenig nervös war ich ja schon. Nach so vielen Jahren Lauferfahrung kam nun doch nochmal etwas Neues auf mich zu. Da durfte ich mir wohl von dem ein oder anderen Marathoni noch ein paar hilfreiche Tipps geben lassen. 🙂

Und so begann ich mich ab Ende August etwas ausführlicher für mein Marathondebüt vorzubereiten. Aber einen festen Trainingsplan gab es bei mir nicht! Warum? Weil meine Tages- oder auch Wochenabläufe selten Platz für einen festen Plan lassen. Und somit baute ich meine Vorbereitung auf meiner eigenen Lauferfahrung und der anderer Laufkollegen auf. Dabei war mir eines ganz besonders wichtig. Ich wollte meinen ersten Marathon ohne größere Probleme oder gar Verletzungen über die Bühne bringen. Daher war mein oberstes Gebot ganz klar: Lieber den ersten Marathon etwas ruhiger und mit genügend Regeneration in der Vorbereitung angehen, als am Ende zuviel gemacht und das Pulver schon verschossen zu haben!

Als der 25. Oktober nun endlich gekommen war und ich auf meine Vorbereitung zurückblickte, war ich zum größten Teil zufrieden! Ich hatte einige lange Läufe absolviert, trotzdem etwas für meine Grundschnelligkeit getan und mehr Wochenkilometer gesammelt als die Monate zuvor. Leider musste ich erkältungsbedingt vorsichtshalber auch eine ganze Woche pausieren.  Aber in so einem Fall ist eine Woche zusätzliche Regeneration allemal besser als die Erkältung über mehrere Wochen mitzuschleppen.

Der Marathontag begann mit Aufstehen und Frühstück im Hotel. Hier fing meine Nervosität bereits an. Ja, das Frühstück. Mein alt bekanntes Problem, seit ich an Wettkämpfen teilnehme. Zu viel und zu spätes Essen ließ in meiner Vergangenheit schon mehrere Wettkämpfe zu einer echten Herausforderung und Qual werden! Und bei einem solchen Frühstücksangebot im Hotel fällt es einem schon schwer, sich zurückhalten zu müssen …

Mit dem Shuttlebus und meinen anderen Vereinskameraden ging es dann in Richtung Start. So richtig zufrieden mit dem Frühstück war ich nun nach so vielen Jahren Erfahrung immer noch nicht. Vielleicht war die eine Tasse Kaffee doch nicht gut. Ach was soll’s. Wird schon klappen …

Zusammen mit Andreas und Martin machte ich mich auf den Weg in den ersten Startblock. Ausgiebiges Dehnen und Warmlaufen wie beim gewohnten 10km Lauf gab es nicht! So wirklich wohl war mir dabei auch nicht. Ich hätte mich doch lieber noch ein paar gemütliche Kilometer warmgelaufen.

Kurz vor dem Start fragte mich Martin nochmal: “Bist du Dir sicher, 2:50h angehen zu wollen?” Hm, schwierig darauf zu antworten. Das war mein Ziel, richtig. Also werde ich auch alles tun, um mein Ziel nun zu erreichen! Aber was, wenn ich mich nun doch verkalkuliert und zu hoch gepokert habe? Wenn ich mich am Ende vom nun doch schon mehr Marathon erfahrenen Martin einholen lasse? Besser nicht dran denken und das Ding einfach durchziehen!!!

Ich orientierte mich nun noch ein paar Reihen vor den 2:59h Tempomachern ein und traf dabei auf einen lang bekannten Laufkameraden Vadim, der eine Zeit von unter 2:50h anpeilte. Perfekt, dachte ich! Ein Marathonerfahrener, an den ich mich doch nur ranheften brauche!

Und dann ging es auch schon los. Der Countdown lief runter und schon setzte sich die Masse in Bewegung, keine 10 Sekunden nach dem Startschuss. Huch, das ging aber flott, dafür dass ich bestimmt 30-50 Meter vom Start entfernt stand! Ok, dann laufen wir mal los! Um alles in der Welt: Bloß nicht zu schnell! Ok, das war am Anfang auch gar nicht möglich. Durch einige Läufer vor und Überholende neben mir ausgebremst, lief ich die ersten 2 km in etwa im 4:15er Schnitt. Sehr gut, schonmal nicht zu schnell, aber nun lag ich doch schon 30 Sekunden über meinem geplanten 4er Schnitt! Also doch langsam einen kleinen Tick schneller.

Aber so richtig gut fühlte ich mich gerade nicht. Ich war immer noch ein wenig aufgeregt und nervös, denn ich hatte schon großen Respekt vor der mir ungewohnten langen Distanz. Als Folge daraus und aufgrund meines fehlenden Aufwärmprogramms lief ich doch sehr verkrampft. Und mein komplettes rechtes Bein war noch gar nicht damit einverstanden, nun laufen zu müssen. Na klasse, dachte ich, fängt ja schon gut an! Wie soll das bloß später erst werden???

Aber ok, erstmal weiter. 5km, Check auf die Uhr und aufs “Pace my Race” Armband! Super, 8 Sekunden unter meinem Kurs für 2:50h. Und da standen auch schon die ersten Läufer am linken Straßenrand am Gebüsch. Apropos Gebüsch: So ein Ärger, irgendwie müsste ich die nächsten Kilometer auch mal dorthin. Dieser blöde Kaffee, hätte ich ihn doch besser weggelassen! Naja, aber jetzt noch nicht, das hältst du noch ein paar Kilometer aus. Wenn doch nun endlich mal mein rechtes Bein Lust aufs Laufen bekommen würde. Es fiel mir nicht leicht, unter diesen Umständen für meinen 4er Schnitt motiviert zu bleiben. Meinen Kameraden Vadim hatte ich in dem Getümmel nach ca. 3km aus den Augen verloren. Er war ein gutes Stück vor mir. Aber ich durfte jetzt auf keinen Fall riskieren, nach vorne zu laufen, um mich wieder an ihn ranzuheften.

10km: Blick zur Uhr und zum Armband! Gott sei Dank, sehr konstant und die Sekunden unter meinem 2:50h Kurs wurden langsam mehr. Knapp 17 Sekunden drunter! Jawoll, super, komm weiter so! Mist, das ganze noch 32km lang? Ach herrje! Aber immerhin lief es jetzt so langsam besser. Ich war am Laufen, die Nervosität sank, ich war auf einem super Kurs und mein rechtes Bein wurde auch langsam warm und locker nach den anfänglichen Startproblemen! Na wenn das keine Motivation ist!

15km: Immer noch gutes Tempo, und den “Vorsprung” von meinem 2:50h Kurs hatte ich sekundenweise weiter ausgebaut. Allerdings hatte ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Und vor den berüchtigten Kilometern ab 32, wo der Marathon ja erst anfangen soll, ganz zu schweigen. Nein, daran darfst du jetzt nicht denken! Einfach so weiterlaufen! Apropos einfach weiterlaufen: Auf Toilette musste ich auch nicht mehr! Irgendwie vergessen oder rausgeschwitzt : 😉   Und hey! Da war der Vadim ja wieder. Bei ca. 17km überholte ich ihn und setzte meinen Lauf in meinem nun “warmgelaufenen” Tempo fort.

Die Hälfte rückte immer näher, und da war sie, die Zeitnahmematte beim Halbmarathon. Schon bei den anderen Matten für die Zwischenzeiten davor war ich kurz geistig bei meinen Kameraden und Freunden zu Hause. Die saßen gerade vor dem Computer: Sie warteten gespannt darauf, dass ich meinen Fuß mit dem Chip auf die nächste Matte setze damit meine nächste Zeit erscheint. Zack Halbmarathon, die erste Hälfte in 1:24:16 wäre schon mal geschafft! Wow, das sind 44 Sekunden schneller als mein Kurs auf die 2:50h!

Jaaa, das wird was! Du hast die Hälfte geschafft, das Bein ist warm, Du bist im allgemeinen sehr locker geworden und hast Dein Tempo gefunden, musst nicht mehr um die Ecke und Spaß macht es jetzt auch noch!

Die Motivation und die super Stimmung an der Strecke packte mich. 25km: ich fühlte mich super und war nur noch dabei, einen nach dem anderen vor mir zu überholen! Zack, zack, zack. Wahnsinn! Blick auf die Uhr und aufs Tempoband: Ja, ich wurde immer noch Sekunde um Sekunde schneller, kein Wunder, dass ich hier nur noch am Überholen war! Aber hey Dominik, reiß dich zusammen, bloß nicht das ganze Pulver raushauen und dann hängst du gleich bei km 30 da und nix geht mehr! Also immer schön darauf achten, nicht zu schnell zu werden!

Ich überholte und überholte. Die Kilometer flogen auf einmal nur noch so vorbei! 30km: Matte, Blick zur Uhr, Blick aufs Armband. Noch mehr Sekunden “Vorsprung” herausgelaufen, noch keine Erschöpfung in Sicht! Zwischenzeitlich lief ich einen Kilometer in 3:50 min. Im Durchschnitt lag ich bei 3:57 min/km.

Ui, da kam auch schon das 35km Schild. Vielleicht auch streckenbedingt lag ich nun bei einem Durchschnitt von 3:59 min/km, also minimal langsamer als bisher. Aber bis jetzt war das Rennen doch ein voller Erfolg: Ich bin super gleichmäßig gelaufen und liege nun auf Kurs von ca. 2:48:20 h. Und es sind nur noch 7km! Was sind schon 7km im Vergleich zu den bisher gelaufenen 35??? Nix, also auf geht’s und weiter. Von dem Mann mit dem Hammer nichts mitbekommen. 38km, jawoll, nur noch 4km bis ins Ziel.

Moment! Noch 4km? Puh. Ok, zugegeben, ähm, ich hätte jetzt doch nichts dagegen, wenn das Ziel schon um der nächstes Häuserecke zum Vorschein käme! Aber ja, wäre auch wirklich zu schön gewesen, wenn ich von Anfang bis Ende hier ohne weiteres einfach so durchmarschierte.  Hilft ja alles nix, es sind nun mal noch 4km. Also Zähne zusammenbeißen und weiterrennen. Ich bin auf ‘nem super Kurs, das lass ich mir jetzt nicht mehr nehmen!

Das Ziel kam immer näher. Es war jetzt sehr hart, aber ich wollte meinen Schnitt um alles in der Welt beibehalten! 40km: Letzter Blick auf die Uhr, letzter Blick aufs Armband! Wahnsinn! Das geht in Richtung 2:48:00h!!! Weiter so!!! Ich lief momentan einen Schnitt von 3:56 min/km und war immer noch am Überholen: Aber gleichzeitig hatte ich natürlich auch wahnsinnig zu kämpfen. Es war soweit: Die Beine hatten genug! Ich hatte auch nichts dagegen endlich mal wieder stehen zu bleiben!  😉

Aber es half ja nichts! Es waren halt noch 2km. Und ja, 2km können einem so kurz vor dem Ende nochmal ganz schön lang vorkommen! Vor allem wenn man auf der Gegengeraden die noch Schnelleren gerade in die Festhalle einlaufen sieht, man aber selber noch eine Runde um den Block laufen muss. Aber da, zwei bekannte Gesichter unter den Zuschauern die mir zurufen! Weiter beißen! Letzte Kurve, abbiegen in Richtung Festhalle, rein in die Festhalle, auf dem roten Teppich der Ziellinie entgegen!

Einige fragen mich später: “Es ist doch bestimmt ein Wahnsinnsgefühl bei der Stimmung über den roten Teppich ins Ziel einzulaufen, oder? Da ist man doch bestimmt nur noch am Jubeln!” – Ähm, lasst mich kurz überlegen. Wahnsinnsgefühl und jubeln? Da hätte ich vielleicht vorher dran denken müssen. 🙄 Aber als ich über den roten Teppich lief, hatte ich keine Zeit zum Jubeln. Zu eng war der Tunnelblick auf die im Scheinwerferlicht erstrahlende und erlösende Ziellinie. Und zu groß war meine Konzentration darauf, meine schnellen Füße noch kontrolliert voreinander zu setzen, denn diese wollten zu diesem Zeitpunkt wirklich nur noch eines: hinter diese Linie!!!

Dort angekommen war ich nun aber wirklich sehr sehr erleichtert. Ich musste mich zurückhalten, nicht direkt erschöpft auf den Boden zu sinken! Neben mir im Ziel standen die Hahner Twins und gaben vor der Kamera gerade ein Interview. Langsam ließ ich mich mit dem Strom in Richtung Zielverpflegung treiben. Dort angekommen, nahm ich mir in Ruhe Zeit, meine Reserven langsam wieder aufzufüllen, vor allem viel Flüssigkeit, denn ich hatte auf den gesammten 42km nur ca. einen halben Becher zu mir genommen.

Zusammenfassend kann ich sagen, mein erster Marathon war ein voller Erfolg! 2:48:01 h und Platz 393 von über 14.000 Läufern! Nun kann ich die gewonnene Erfahrung mitnehmen. Und von meinem Leistungsniveau auf 10km und Halbmarathon ausgehend weiß ich, mit etwas mehr Training und intensiverer Vorbereitung sollte irgendwann auch eine Zeit unter 2:45 h drin sein. Aber wie ich schon sagte: Irgendwann.

Euer Dominik

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10 Gedanken zu „Marathondebüt in Frankfurt wie es besser nicht hätte sein können!“

  1. Vielen Dank euch allen! Ihr habt mir natürlich alle geholfen durch eure Tipps, die ihr mir Aufgrund eurer jahrelanger Lauferfahrung zu meinem ersten Marathon Rennen geben konntet!

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