Triathlon Debüt am Bostalsee

Nein, es ist kein Ironman, für den ich mich angemeldet habe. Es ist eine Jedermann-Veranstaltung mit überschaubaren Distanzen: 300 m schwimmen, 16,5 km Rad fahren und 5 km laufen. Aber es ist trotzdem ein richtiger Triathlon. Und es ist mein erster.

Wenn die verletzungsbedingten Laufpausen häufiger und länger werden, liegt es nahe, die einseitigen laufspezifischen körperlichen Belastungen zu reduzieren  und auf mehrere Sportarten zu verteilen. Also habe ich kraulen gelernt und mir ein Rennrad zugelegt. Am Sonntag, den 3. September 2017 ist es soweit: Am Bostalsee gebe ich mein Triathlon-Debüt. Peter ist da ja schon Stammgast. Der kann mir sicher noch ein paar spontane Tipps geben. Spezifisch vorbereitet habe ich mich nicht. Ich bin einfach regelmäßig geschwommen und geradelt. Laufen geht seit einigen Wochen ja auch wieder.

Das Packen am Vortag entpuppt sich als äußerst komplexes Unterfangen. Oh je, wenn ich für den Triathlon halb so lange brauche wie fürs Packen, werde ich Letzter! Vom Klettband für den Championchip am Fußgelenk über den Fahrradhelm bis zur Luftpumpe – man braucht halt schon ein bisschen was an Material, um einen Triathlon zu überstehen.

Sonntagmorgen, 5:32 Uhr: Wie immer bin ich auch ohne Wecker viel zu früh wach. Nach einer Tasse Tee, Zähne putzen und Katzenwäsche sitze ich 6:20 Uhr im Auto. Es ist noch dunkel. Und nebelig. Und kalt.  Aber das kann sich ja alles noch entwickeln in den nächsten Stunden.

Kurz nach 7:00 Uhr komme ich am Bostalsee an und finde problemlos einen Parkplatz direkt am Veranstaltungsort. Dicke Nebelschwaden ziehen über den See.

Frühnebel überm Bostalsee

Der Blick auf die digitale Anzeige am Ufer lässt mich erschaudern. Wassertemperatur: 20,5 Grad. Vielleicht hätte ich doch in einen Neoprenanzug investieren sollen. Na ja, dann habe ich einen Grund mehr, die Schwimmeinheit so schnell wie möglich hinter mich zu kriegen.

Aber noch ist es nicht soweit. Mein Start ist erst für kurz vor 11 Uhr geplant. Mit meinen Startunterlagen ziehe ich mich ins warme Auto zurück. Irgendwie spielt sich hier alles an der frischen Luft ab. Harte Spezies, diese Triathleten.

Als erstes sticht mir die obligatorische Badekappe ins Auge. Sie ist froschgrün. Damit kann ich mich in keinem Schwimmbad dieser Welt blicken lassen. Schade eigentlich, wo ich mit dem Triathlon-Race-Aufdruck auf der Mütze doch so schön angeben könnte im Konzer Saar-Mosel-Bad: “Schau mal der Triathlet da. Ein echter Ausdauersportler. Hat bestimmt einen Ironman gemacht.” Steht ja nicht drauf, dass es nur für einen Mini-Triathlon gereicht hat. 😉

Topmodische Badekappe in dezentem Grün …

Die Startnummer gibt es in dreifacher Ausfertigung: eine befestige ich am Startnummernband. Zwei kleine Aufkleber mit der Startnummer sind für Fahrrad und Helm vorgesehen. Die Wettkampfrichter werden mich also ständig und überall unter Kontrolle haben.

Überhaupt geht es beim Triathlon ziemlich streng zu. Für alles gibt es genaue Regeln. Das merke ich spätestens als ich mit meinen sieben Sachen zum Check-In komme.  Ich zeige meine Startnummer vor und hoffe auf meinen Wettkampfchip und Einlass in das Allerheiligste des Triathlon, die Wechselzone. Ein Marshall stoppt mich: Ich muss meinen Helm aufsetzen, auch wenn ich nur das Fahrrad abstellen will. Er kontrolliert, ob der Kinnriemen eng genug sitzt und hilft mir, den Aufkleber aufs Fahrrad zu kleben. Dann fange ich an, mich in meinem neuen “Zuhause” einzurichten. Die Wechselzone besteht im Grunde aus einer seeeeehr langen Stange, die alle paar Zentimeter von beiden Seiten mit einer Nummer versehen ist.

Ich begebe mich zu meiner Wechselzone Nr. 398. Das Fahrrad wird einfach am Sattel eingehängt. Ach so geht das. Ganz einfach. Darunter bzw. eng daneben drapiere ich auf ein paar Quadratzentimetern, was ich während meiner Wechselzonenaufenthalte so benötige: Helm, Startnummernband, Handtuch, Fahrradbrille, Schirmmütze, Stirnband, Wasserflasche, Gel (für den Notfall), Windjacke (wer weiß, ob es wirklich noch wärmer wird).

Ordnung muss sein

Fahrradschuhe benötige ich nicht. Radle ohne Klickpedale. Also nur die Laufschuhe. Oh, die habe ich ja an. Ich kann doch jetzt nicht die nächsten Stunden barfuß durch die Gegend laufen. Zum Glück habe ich für alle Fälle am Vorabend noch ein zweites Paar Schuhe ins Auto gepackt.

Bei der Wettkampfbesprechung um 8:30 Uhr erfahre ich neben einigen weiteren Regeln und Hinweisen, dass alle Starts wegen des immer noch dichten Morgennebels über dem See um eine Stunde verschoben werden.

Na, dann habe ich ja jetzt bis fast 12 Uhr Zeit, mir alles in Ruhe anzusehen. Ich schaue mir die Wechselzone nochmal genau an, präge mir ein, wo mein “Zuhause” ist und in welcher Richtung genau es auf die Rad- bzw. Laufstrecke geht. Nicht dass ich später noch die Orientierung verliere.

Sehr beruhigend. Die DLRG passt auf mich auf.

Dann schaue ich mir den Wasserstart der vor mir startenden “Profis” der Halbdistanz an. Mann, schwimmen die schnell. Das würde ich auch gerne so hinkriegen.

Wasserstart der Olympischen Disziplin: Gleich geht’s los.

Dann bin endlich ich an der Reihe. Mit etwa 70 anderen froschgrün bekappten Gleichgesinnten steige ich in die unbarmherzig kühlen Fluten des Bostalsees. Zum Einschwimmen ist kaum Zeit, da ja gerade erst die Startergruppe der Frauen den Weg freigemacht hat. Ich sortiere mich ganz außen ein, nehme den längeren Weg zur ersten Boje in Kauf, um dem Gedränge zu entkommen.

Startschuss. Erst mal meinen Rhythmus finden. Das klappt eher nicht so gut. Einfach zu viel grüne Kappen unterwegs. Leider sind manch andere auch nicht schneller als ich, so dass es sich an den Bojen ziemlich knubbelt. Ich muss zeitweise auf Brustschwimmen umschalten, da vor und rechts und links neben mir alles verstopft ist. Nach ein paar unfreiwilligen Schlückchen Bostalsee-Wasser (gar nicht so übel 😏) schleppe ich mich hustend um die zweite Boje und mache mich auf den Rückweg. Nach 9 Minuten und 12 Sekunden habe ich mein Morgenbad beendet und überquere die erste Matte. Trotz der bescheidenen Geschwindigkeit bin ich ziemlich außer Atem.

Im Laufschritt geht es durch die Wechselzone. Wo war nochmal mein Fahrrad? Ich hatte es mir doch extra eingeprägt. Irgendwie sehen die Dinger plötzlich alle gleich aus. 

Ah, da isses ja …

 

Startnummernband überstreifen. Füße kurz am Handtuch säubern, barfuß in die Schuhe, doppelter Knoten, Radbrille, Helm (Kinnriemen schließen nicht vergessen), Fahrrad schnappen und loslaufen. Nächste Matte nach 2:53. Na also. Geht doch.

Halt. Bloß noch nicht aufsteigen. Erst nach der Markierung. Klappt alles prima. Nach ein paar Metern Anstieg geht es erst einmal länger bergab. Zeit, durchzuatmen und mich zu orientieren. Jetzt bloß keinen Fehler machen. Konzentration. Achtung! Nicht im Windschatten fahren. Zügig überholen. Ja, ich überhole tatsächlich ziemlich häufig, werde eher selten selbst überholt. Wenn, dann meistens von den großen Jungs der Olympischen. Die haben es drauf. Sind schon viel länger unterwegs und ziehen locker an mir vorbei. Dabei bin ich für meine Verhältnisse recht flott. Trotz einiger Passagen mit immerhin bis zu 12 % Steigung brauche ich für die 16,5 Kilometer 32 Minuten und 42 Sekunden. Schnitt von knapp unter 31 km/h. Bin echt überrascht. Das hätte ich nicht erwartet bei dem Streckenprofil und den geringen Umfängen, die ich insgesamt geradelt bin. Weiter geht’s. Fahrrad abstellen, Schluck Wasser. Nach 1:20 in der Wechselzone geht es auf die Laufstrecke.

Auf dem Weg zur Laufstrecke (Foto energis)

Jetzt bin ich in meinem Element. Ich weiß natürlich, dass ich bei einem Triathlon nicht in dem Tempo werde laufen können, das ich sonst drauf hätte. Zudem ist die Strecke ziemlich hügelig. Und die Beine fühlen sich tatsächlich ziemlich schwer und unbeweglich an. Trotzdem schaffe ich den ersten Kilometer in 4:53. Die folgenden Kilometer werden dann sukzessive schneller. Für die 5,1 km steht am Ende dann eine Zeit von 24:05.

Beseelt laufe ich über die Ziellinie. Total außer Atem wie bei einem 10er bin ich eigentlich nicht. Auch mein Endspurtpuls ist deutlich niedriger als sonst. Trotzdem sind meine Beine am Limit.

Die Uhr bleibt stehen bei 1:10:13,3. Deutlich schneller als ich mir das vorgestellt hatte. Später sehe ich, dass ich sogar Altersklassenerster geworden bin. Wow. Das ist mir bei einem 10er noch nie passiert. Ok, es haben nur 3 Senioren in meiner Altersklasse mitgemacht, aber immerhin komme ich 3 Minuten vor dem Zweitplatzierten ins Ziel. Und überhaupt: Von insgesamt 155 Jedermännern und -frauen gehöre ich zu den 4 Ältesten. Vor diesem Hintergrund ist der 46. Platz für mich mehr als nur ein Achtungserfolg.

Auch Peter ist sehr zufrieden. Er ist deutlich schneller gewesen als im vergangenen Jahr.

Mit stolz geschwellter Brust checken Peter und ich die Fahrräder aus. Für Hawai wird es nicht ganz reichen dieses Jahr, aber ein Anfang ist gemacht.   😉 

… und irgendwann Hawai

 

 

 

4 Gedanken zu „Triathlon Debüt am Bostalsee“

  1. Hey Matthias, was für eine Leistung! Respekt und Herzlichen Glückwunsch! Da hast du selbst mir jetzt etwas voraus!
    Ich glaube ich würde mich gar nicht trauen im Triathlon gegen dich anzutreten. Im Schwimmen habe ich sowieso schon keine Chance… Bei einem Rennrad Schnitt von fast 31 km/h wird es mir auch nicht leicht fallen, dass was ich beim Schwimmen verliere wieder zu dir aufzuschließen… Wäre bestimmt mal interessant, wenn ich nicht so wasserscheu wäre 😀
    Aber auch nochmal ein super Lob für deinen Bericht! Macht immer wieder super viel Spaß diese zu lesen! Weiter so 🙂

    1. Das mit der Scheu vorm Wasser kann ich nachvollziehen. Hab selbst nach Jahrzehnten der Abstinenz erst vor 2 Jahren verletzungsbedingt mit dem Schwimmen angefangen.
      Aber mach Dir keinen Sorgen, Dominik. Allein beim Laufen würdest Du mir mehr als 5 Minuten abnehmen. Soviel könnte ich beim Schwimmen gar nicht vorlegen, selbst wenn Du mit Bleigewichten an den Start gingest.

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