Sieben Wochen ohne … – zum Zweiten

Fortsetzung  von Teil 1 des Berichts „Sieben Wochen ohne …“

Tagebuchs eines Laufabstinenten

Laufpause, 8. Woche
Stell Dir vor, Du hast Urlaub und kannst nicht laufen. Die Sonne lacht, Du hast alle Zeit dieser Welt, es gibt wunderschöne Lauftrails am Urlaubsort – und Deine Laufschuhe gammeln vor sich hin.

Ich gebe zu, es ist hart. Es verlangt mir einiges ab, meine Verletzung so anzunehmen und nicht in den Selbstmitleidsmodus zu verfallen.

Aber habe ich das Recht zu hadern wegen einer banalen Sehnenentzündung, die vermutlich in ein paar Wochen wieder völlig ausgeheilt ist? Nein, habe ich nicht. Ich konnte dieses Jahr meinen ersten Marathon, zwei Halbmarathons, einige 10er und einen 5er laufen. Einige persönliche Bestzeiten waren dabei. Das macht mich stolz und dankbar.

Und wenn es mit dem Laufen im Urlaub halt nicht klappt, dann wird halt gewandert. Und so ein kühler Gebirgsbach ist sicher auch nicht schlecht für einen lädierten Fuß.  🙂

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Ein kühler Gebirgsbach – eine Wohltat für die Füße

Laufpause, 9. Woche
An manchen Tagen spüre ich deutliche Fortschritte. Da ist der Schmerz nur noch dezent zu spüren. Schon bastle ich insgeheim an meinem läuferischen Comeback und male mir aus, wie ich den Wiedereinstieg gestalte.

Am nächsten Tag sehe ich mich dann wieder aller Hoffnungen beraubt. Die Entzündung fühlt sich genauso an wie vor drei oder vier Wochen. Da ist sie wieder die innere Stimme, die mir einredet: „Vergiss es. Das wird so schnell nix mehr mit dem Laufen. Das dauert. Wahrscheinlich Monate. Und wahrscheinlich wirst Du mit dieser Verletzung jetzt den Rest Deines Lebens zu tun haben.“

Laufpause, 10. Woche
Der dezente Hinweis von einem guten Freund kommt zum richtigen Zeitpunkt: „Vertraust Du Deinem Fuß eigentlich, dass er sich wieder regeneriert? Unterstützt Du ihn beim Heilungsprozess oder bist Du sauer auf ihn?“

Wie bitte? Na ja. Wenn ich ehrlich bin, ist mein Fuß für mich halt ein Körperteil, das gefälligst zu funktionieren hat. Der Fuß ist dazu da zu laufen, und zwar möglichst schnell. Im Grunde will ich, dass mein Körper „funktioniert“, sozusagen auf Knopfdruck: „Auf, jetzt mach mal.“ – „Los, jetzt regeneriere gefälligst.“ – „Du machst jetzt, was ich Dir sage!“ etc.

Vielleicht sollte ich ja doch mal darüber nachdenken, was mein Fuß mir durch die Verletzung eigentlich sagen will. Und vielleicht sollte ich etwas netter mit ihm sprechen. Dann mache ich das jetzt mal:

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Grüße an die Füße
„Lieber Fuß, 
ich habe Dir in den letzten Monaten sehr viel zugemutet. Ich habe Dich bis an die Grenzen Deiner Belastbarkeit getriezt, oft auch darüber hinaus. Ich habe Deine Bitten, etwas kürzer zu treten, konsequent ignoriert. Ich wollte, dass Du funktionierst und mitspielst bei meinem Abenteuer Marathon. Du hast auch mitgespielt. Ich bin Dir sehr dankbar dafür, dass Du das alles mitgemacht hast. Meistens klaglos. Ohne große Schikanen. Ohne große Worte. Du hast es gut mit mir gemeint.

Jetzt, lieber Fuß, wird mir klar, dass ich Dir spätestens nach dem Marathon eine Pause hätte gönnen sollen. Signale hattest Du mir ja die ganze Zeit über geschickt.  Aber ich habe sie immer ignoriert. Jetzt hast Du mich soweit gebracht, Dich ernst zu nehmen. Und dafür habe ich volles Verständnis. 
 
Deshalb, lieber Fuß, gehört die Zeit meiner Laufabstinenz jetzt Dir. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst. Es wäre mir natürlich lieb, wenn Du es nicht übertriebest, aber ich will Dich auch nicht drängen. Ich weiß, dass Du Dich problemlos wieder regenerieren kannst, in Deinem (!) Tempo. Ich will Dich nach Kräften unterstützen, aber letztendlich entscheidest Du, wann Du Dich wieder fit fühlst. Ich warte auf Dich, lieber Fuß. 
                                                                                                                                                         
Laufpause, 11. Woche
Schnupperwochen im neuen Konzer Schwimmbad. Super. Jetzt muss ich für meine Aquajogging-Einheiten nicht mehr nach Trier fahren und kann ich meine Runden im Wasser heimatnah drehen.
                                                                                                                                  
Laufpause, 12. Woche
Habe mich für eine Strahlenbehandlung entschieden.  Perkutane Schmerzbehandlung nennt sich das im Fachjargon. Sechs kurze Bestrahlungen auf den Schmerzpunkt innerhalb von ein bis zwei Wochen. Die statistischen Erfolgsaussichten liegen bei einer plantaren Fasziitis bei etwa 65%. Allerdings stellt sich die Schmerzfreiheit häufig erst sechs bis acht Wochen nach der Behandlung ein. Also ist weiter Geduld angesagt.
                                                                                                                                 
Laufpause 13. Woche
Etwas wehmütig lese ich im Trierischen Volskfreund den Artikel über den 20. Spiridon Volkslauf in Schillingen. Letztes Jahr bin ich locker mitgelaufen. Das war einer meiner schönsten Läufe: Tolle Landschaft, herrlicher Trail.
9. Spiridon Volkslauf Schillingen 2014
9. Spiridon Volkslauf Schillingen 2014
Viele meiner Lauffreunde von der TG Konz sind in diesem Jahr dabei dabei und belegen in den meisten Fällen super Plätze in den verschiedenen Disziplinen. Herzlichen Glückwunsch an alle!
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Laufpause 14. Woche
Der Bitburger Stadtlauf musste dieses Jahr ohne mich stattfinden. Überhaupt habe ich den diesjährigen Bitcup abgehakt. Hat lange gebraucht, bis ich das so akzeptieren konnte. Ich brauchte nämlich nur noch zwei Läufe, um in die Wertung zu kommen.  Aber wozu? Unter die Top 5 schaffe ich es in meiner Altersklasse ohnehin nicht. Dann lieber die Verletzung auskurieren, anstatt hier falschen Ehrgeiz an den Tag zu legen. So darf ich hier wenigstens die Ergebnisse der erfolgreichen TGler beim Stadlauf in Bitburg präsentieren:
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Herzlichen Glückwunsch! Aber zieht Euch warm an, Leute. Nächstes Jahr mische ich wieder mit 🙂
                                                                                                                                        
Laufpause 15. Woche – oder vielleicht doch nicht?
 Meine Strahlenbehandlung ist abgeschlossen. Beim Abschlussgespräch mit der Ärztin passiert etwas völlig Unerwartetes: Die Ärztin bestätigt mir, dass ich auch jetzt schon locker auf weichem Untergrund laufen kann, auch wenn die Schmerzen noch nicht völlig weg sind.
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Werde ich bald wieder laufen können?
Ich kann es gar nicht so recht glauben. Ich traue mich auch erst nicht so recht, habe Angst, etwas Verbotenes zu tun. Jetzt habe ich doch so lange durchgehalten, war diszipliniert und eisern in meiner Abstinenz. Und jetzt soll ich wieder laufen dürfen, auch wenn der Schmerz noch nicht weg ist? Darüber muss ich erst mal nachdenken.
So – ich bin dann mit dem Nachdenken fertig. Heute ist es passiert. Ich habe es getan. Beim Spaziergang mit dem Hund jogge ich hundert Meter. Ganz langsam. Ganz locker. Auf weichem Untergrund. Dann gehe ich wieder. Dann nochmal hundert Meter. Es fühlt sich komisch an. So ungewohnt. Aber es geht noch.
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Laufen auf weichem Untergrund im Roscheider Wald
Ich hoffe, ich bin beim Einstieg genauso konsequent wie bei meiner totalen Laufabstinenz: Nichts übertreiben. Ganz langsam auf den Körper hören und rechtzeitig aufhören, wenn es weh tut. Und nicht vergessen, dass die Gelenke, Bänder und Sehnen ihre Zeit brauchen, um sich wieder an den Bewegungsablauf und die Belastungen an Land zu gewöhnen. Die waren ja die letzten Wochen nur auf  Wasser eingestellt.
Vielleicht kann ich ja beim Wurzelweglauf Mitte November schon wieder den 5-Kilometerlauf locker mitjoggen. Vielleicht als Schlussläufer, das wäre ja schon mal was 🙂
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-2518Tage -8Stunden -25Minuten 00Sekunden

2 Gedanken zu „Sieben Wochen ohne … – zum Zweiten“

  1. Schöner, wenn auch traurig stimmender Bericht. Ich weiß genau, wie Du Dich fühlst. Jetzt geht in einer halben Stunde der Frankfurt Marathon mit DM los, bei dem wieder eine Mannschaft von der TG Konz zusammengefunden hat. Letztes Jahr in München bei der DM wurden wir sogar 1. im Rheinland (vor allem dank Hendrik und Micha natürlich mit ihren schnellen Zeiten). Dieses Jahr sind sogar 8 Starter von der TG Konz mit dabei und manche voraussichtlich nochmal schneller, doch irgendwie hat es leider keiner von der letztjährigen Mannschaft gepackt „dank“ Verletzungen und Krankheiten, schade. Ich werde mich zumindest jetzt gleich mit der Übertragung im HR begnügen und mit fiebern … An unsere Mannschaft dort auf diesem Weg „Alles Gute und viel Erfolg“ und an Dich Matthias eine hoffentlich baldige Genesung – Kopf hoch, wir Pfälzer haben uns noch nie unterkriegen lassen! 🙂

    1. Danke, Boris. Ja, ich habe den Marathon in Frankfurt auch verfolgt und war fast so aufgeregt, als wäre ich selbst mitgelaufen. Herzlich Glückwunsch auch von mir an alle TGler. Ein bisschen Wehmut ist natürlich schon dabei, aber wie Du schon sagst, Boris: So schnell lassen wir Pfälzer uns nicht unterkriegen.

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